Als Leiter der Schulungsabteilung und Entwickler unserer Schulungen im Pro Fly Center ist es mir besonders wichtig, ehrliches Feedback nicht nur von Drohnenpiloten, sondern auch von erfahrenen Luftfahrzeugführern zu erhalten. Schließlich begegnen sich die bemannte und unbemannte Luftfahrt immer häufiger und Verständnis füreinander ist der Schlüssel zu sicherem und verantwortungsvollem Fliegen.
Aus diesem Grund habe ich einen unserer Schulungsteilnehmer, Paul Aschenborn, selbst PPL(A)-Pilot, um seine offene Meinung zu unserer Ausbildung gebeten. Was zunächst als kurzer Erfahrungsaustausch über das A2-Zertifikat begann, entwickelte sich zu einem spannenden Dialog über fliegerische Verantwortung, Ausbildungstiefe und den tatsächlichen Nutzen der neuen STS-Schulungen. Paul war von der Herangehensweise und der inhaltlichen Tiefe so angetan, dass aus einem simplen A2-Vorhaben eine echte Begeisterung für das STS-Programm wurde.
Sein Erfahrungsbericht zeigt eindrucksvoll, wie unterschiedlich die Perspektiven auf die Drohnenausbildung sein können und warum es manchmal lohnend ist, über das Pflichtwissen hinauszugehen.
Im Folgenden erzählt er selbst, wie er – ganz ungeplant – vom A2-Piloten zum STS-Schulungsteilnehmer wurde und dabei das Drohnenuniversum aus einer neuen, professionellen Perspektive entdeckt hat.
(Holger Glur)
Vom A2 zum STS – Warum es manchmal besser ist, nicht nur das Nötigste zu lernen
Eigentlich wollte ich nur schnell mein A2-Zertifikat machen. Ein Klick hier, ein Anbieter da, doch je mehr ich suchte, desto unübersichtlicher wurde es. Jeder versprach das Beste, das Schnellste, das Billigste. Aber kaum einer erklärte klar, wo die Prüfung eigentlich stattfindet oder wer am Ende das Zertifikat ausstellt.
Pro Fly Center machte da den ehrlichsten Eindruck: transparent, nachvollziehbar und mit der Möglichkeit, das Ganze sogar über das Luftfahrt-Bundesamt (LBA) abzulegen. Diese Offenheit fand ich wohltuend in einer Branche, in der „billig“ oft lauter ist als „seriös“.
Also meldete ich mich an, sah mir die A2-Unterlagen an und stolperte über ein paar kleine Fehler. Ein kurzer Hinweis an den Ausbildungsleiter führte zu einem spannenden Gespräch über Details, Inhalte und Regelungen. Er war offen, interessiert und wollte die Punkte direkt korrigieren. Irgendwann meinte er: „Wenn du schon so genau hinschaust, magst du mal auch einen Blick in den STS-Kurs werfen?“
Gesagt, getan. Und plötzlich saß ich tiefer im Thema, als ich eigentlich geplant hatte. Aus dem „mal eben A2 machen“ wurde ein Blick hinter die Kulissen und schließlich die Teilnahme an der STS-Ausbildung selbst.
Daraus entstand dieser Artikel: eine persönliche Betrachtung aus Sicht eines PPL(A)-Piloten, der sich fragt, was STS eigentlich bringt und warum es vielleicht mehr ist als nur der nächste „Pflichtschein“ auf der To-do-Liste.
PPL(A) trifft STS – zwei Welten, ein Ziel
Als PPL(A)-Pilot kennt man die Strukturen, Verfahren und Disziplin der bemannten Luftfahrt. Umso spannender war für mich der Vergleich zur unbemannten Seite.
Viele Grundgedanken sind identisch: Sicherheit, Luftraumtrennung, Verantwortlichkeit. Unterschiedlich ist der Blickwinkel, einmal aus dem Cockpit, das andere mal oder vom Boden auf die Drohne.
Beiden gemein sind die allgemeinen Themen wie Meteorologie, allgemeine Prinzipien der Aerodynamik, grunsätzliches Luftrecht.
Während der PPL(A) stark auf Flugzeugtechnik und Navigation fokussiert ist, vermittelt die STS-Ausbildung vor allem operative Kompetenz, also, wie man Drohnenflüge sicher plant, dokumentiert und genehmigt.
Diese Schnittmenge macht die STS für alle interessant, die bereits fliegerisches Verständnis mitbringen oder es sich auf solide Weise aneignen wollen.
A2, STS und PPL(A) im Vergleich
| Bereich | A2-Zertifikat (Open Category) | STS-Zertifizierung (Theorie) | PPL(A)Privatpilotenlizenz |
| Zielgruppe | Freizeit- und Hobby-Piloten | Fortgeschrittene oder semi-professionelle Drohnenpiloten | Piloten bemannter Flugzeuge |
| Zweck / Einsatz | Betrieb in der offenen Kategorie (C1–C2) | Betrieb nach Standard Scenario STS-01 / STS-02 (z. B. BVLOS, besiedelte Gebiete) | Bemannte Flüge im europäischen Luftraum |
| Behörde / Prüfung | Online-Prüfung über benannte Stellen(z. B. LBA) |
Theorie- und ggf. Praxisteil über zertifizierte Ausbildungsstelle | Theoretische & praktische Prüfung über Luftfahrtbehörde |
| Theorieumfang | Grundlagen zu Luftraum,Meteorologie, Technik, Recht | A2 + Einsatzplanung, Risikobewertung (SORA light), Flugverfahren, Technik | Navigation, Aerodynamik, Meteorologie, Flugleistung, Recht, Human Factors, Technik, Sprechfunk |
| Prüfungsform | 40 Multiple-Choice-Fragen,ca. 40 Minuten | ca. 60 Multiple-Choice-Fragen | 9 - 12 Fachprüfungen, mehrere Stunden Gesamtzeit |
| Kosten (ca.) | 25 € - 80 € | 250 € - 600 € (abhängig von Anbieter und Behörde) | ab 10.000 € (komplette Ausbildung) |
| Gültigkeit / Anerkennung | EU-weit gültig | EU-weit gültig (Standard Scenario gilt europaweit) | EASA-Lizenz, EU-weit gültig |
| Vorteile bei Genehmigungen | Eingeschränkt | Besseres Verständnis für Antragsverfahren & Risikobewertung | Vollumfängliche Kenntnisse, da Luftfahrtlizenz |
| Empfohlene Vorkenntnisse | Grundkenntnisse Drohnenbetrieb | A2 empfehlenswert, technisches Verständnis hilfreich | Keine, aber intensives Training notwendig |
Warum STS trotzdem sinnvoll ist, auch ohne große Ambitionen
Nicht jeder möchte gleich kommerziell fliegen oder komplexe Operationen beantragen. Trotzdem lohnt sich der Blick über den A2 hinaus. Wer sich mit STS beschäftigt – selbst nur mit dem Theorieteil –, bekommt ein tieferes Verständnis dafür, wie Behörden denken, wie Risikobewertung funktioniert und worauf es bei Genehmigungen wirklich ankommt.
In einer Welt, in der der Luftraum zunehmend geteilt, digitalisiert und reguliert wird, ist Wissen der beste Puffer.
Und selbst, wenn man seine Drohne weiterhin "nur" im Rahmen der offenen Kategorie fliegt – man tut es mit mehr Selbstsicherheit und Verständnis für das große Ganze.
Warum sich der Blick über den A2 hinaus lohnt
Am Ende war die STS-Ausbildung für mich mehr als nur eine formale Erweiterung zum A2-Zertifikat. Sie hat meinen Blick auf das Thema Drohnenfliegen verändert. Hinter der netten Spielzeug-Drohne, in meinem Fall vor allem einer fliegenden Kamera, lauert eine spannende Luftfahrtwelt. Eine Welt, die näher an die "echte" Fliegerei heranrückt.
Was darf ich? Warum existieren bestimmte Regeln und wie spielen sie in der Praxis zusammenspielen? Das sind Dinge, die helfen gerade in einer Welt, in der Luftraumstrukturen und Regularien immer komplexer werden. Dann ist ein solides Fundament an Fachwissen einfach Gold wert, selbst dann, wenn man (noch) keine professionellen Einsätze plant.
Und ehrlich gesagt: Ich bin froh, dass mein kurzer A2-Ausflug so viel weiter ging, als geplant. Am Anfang stand die Frage, welcher Anbieter es für A2 sein sollte. Das führte zu einem Blick hinter die Kulissen, zu Kontakten mit Menschen, für die Drohne und Fliegen mehr Berufung ist, als Beruf.
Manchmal fliegt man eben weiter, wenn der Kurs stimmt – auch am Schreibtisch.
(Paul Aschenborn)
Über den Autor
Paul Aschenborn ist Inhaber einer PPL(A) und jetzt auch Inhaber einer STS-Lizenz (zumindest dem theoretischen Teil).
Durch seine Erfahrungen in beiden Welten – bemannt und unbemannt – betrachtet er die Drohnenschulung mit einem besonderen Blick auf Sicherheitskultur, Luftraumverständnis und Entscheidungsfindung.
Sein Weg vom A2 zum STS begann eher zufällig – geblieben ist die Begeisterung für alles, was fliegt, und die Überzeugung, dass gutes Wissen der beste Copilot ist.




