Einstieg ins FPV-Fliegen: Welche Ausrüstung brauchen Anfänger wirklich?

Sascha ist selbst begeisterter FPV-Pilot und fliegt mittlerweile regelmäßig mit seinem 5-Zoll-Selbstbau sowie seiner DJI Avata. Seine praktische Erfahrung und seine Begeisterung fürs Fliegen bringt er künftig auch bei uns im Proflycenter ein.

FPV steht für „First Person View“. Dabei sieht der Pilot das Kamerabild der Drohne live durch eine Videobrille. Das vermittelt das Gefühl, selbst im Cockpit zu sitzen. Besonders FPV-Renndrohnen sind schnell, direkt und wendig – verlangen dem Piloten aber deutlich mehr Übung ab als eine klassische Kameradrohne.

Wer einsteigen möchte, sollte deshalb nicht sofort die schnellste Drohne kaufen. Der sinnvollste Weg führt über einen Simulator, eine geeignete Fernsteuerung und einen robusten ersten Copter.

1. Zuerst im Simulator üben

Eine FPV-Drohne wird normalerweise im manuellen „Acro Mode“ geflogen. Sie stabilisiert sich dabei nicht automatisch in der Waagerechten. Werden die Steuerknüppel losgelassen, behält sie ihre aktuelle Neigung bei. Das ist am Anfang ungewohnt und führt bei einem echten Copter schnell zu Abstürzen.

Ein Simulator spart deshalb Geld, Ersatzteile und Frust. Empfehlenswert sind unter anderem:

·         DJI Simulator (Nur DJI Drohnen)

Alle genannten Simulatoren eignen sich dazu, die grundlegende Steuerung, Kurvenflüge und erste Rennstrecken zu üben. Optimal ist es, bereits die spätere FPV-Fernsteuerung per USB am Computer zu verwenden. So trainiert man direkt mit den richtigen Knüppeln und muss sich später nicht erneut umgewöhnen.

Bevor der erste echte Copter startet, sollten kontrollierte Starts, Landungen und mehrere Runden ohne ständige Abstürze im Simulator möglich sein.

2. Eine passende Fernsteuerung auswählen

Eine mögliche Fernsteuerung für den Einstieg ist die RadioMaster Zorro. Durch ihre Gamepad-ähnliche Form ist sie besonders für Piloten interessant, die klassische Konsolencontroller gewohnt sind.

Wichtig ist die verwendete Funktechnik. Eine verbreitete Variante ist ExpressLRS, kurz ELRS. Wird eine ELRS-Fernsteuerung gekauft, benötigt die Drohne ebenfalls einen passenden ELRS-Empfänger.

Dabei reicht die Bezeichnung „ELRS“ allein nicht immer aus. Vor dem Kauf sollten unter anderem diese Punkte geprüft werden:

  • Unterstützen Sender und Empfänger dasselbe Frequenzband?

  • Passen die verwendeten Firmware-Versionen zusammen?

  • Ist der Empfänger bereits in der Drohne eingebaut?

  • Handelt es sich um die EU-LBT-Ausführung?

  • Lässt sich die Fernsteuerung am Computer verwenden?

Die offizielle ExpressLRS-Dokumentation empfiehlt, Sender und Empfänger zunächst einzurichten, die Firmware-Versionen zu kontrollieren, beide Geräte zu verbinden und anschließend einen Funktionstest durchzuführen.

3. Das Videosystem bestimmt die FPV-Brille

Das Steuersignal und das Videosignal sind zwei getrennte Systeme:

  • ELRS verbindet die Fernsteuerung mit dem Empfänger der Drohne.

  • Das Videosystem überträgt das Kamerabild an die FPV-Brille.

Wer beispielsweise eine Drohne mit einem digitalen DJI-Videosender kauft, benötigt eine dazu kompatible DJI-Brille. Mögliche Modelle sind:

Die Goggles N3 sind als günstigere Einstiegsmöglichkeit gedacht, unterstützen aber nicht automatisch jede FPV-Drohne oder jede DJI-Lufteinheit. DJI nennt für die N3 ausdrücklich bestimmte Kombinationen, unter anderem mit DJI Neo und Avata 2. Die Kompatibilität muss deshalb vor dem Kauf für den konkreten Copter und dessen Videosender geprüft werden. Die Goggles 3 unterstützen DJIs digitale O4-Videoübertragung, sind aber ebenfalls nicht universell mit allen älteren und neueren DJI-Systemen kompatibel.

Neben DJI existieren weitere digitale Systeme wie Walksnail und HDZero sowie die klassische analoge Videoübertragung. Die Brille muss immer zum verbauten Videosystem passen.

4. Welcher Copter eignet sich für den Anfang?

Für die ersten echten Flugversuche ist eine kleine, robuste Drohne häufig besser geeignet als ein leistungsstarker 5-Zoll-Racer.

Sogenannte Whoops oder Cinewhoops besitzen Propellerschützer und verzeihen kleinere Kontakte mit Wänden oder Hindernissen eher. Geeignete Modelle und Komplettsets findet man beispielsweise bei:

Ein fertiger „Bind-and-Fly“-Copter ist für Anfänger meist einfacher als ein kompletter Selbstbau. Dabei sind Motoren, Flight Controller, Videosender und Empfänger bereits montiert. Trotzdem muss vor dem Kauf geprüft werden, ob der Copter zur eigenen Fernsteuerung und zur FPV-Brille passt.

Eine sinnvolle Anfängerkonfiguration kann beispielsweise so aussehen:

  • kleiner Whoop oder geschützter Cinewhoop

  • fertig eingebauter ELRS-Empfänger

  • kompatibles digitales oder analoges Videosystem

  • gut verfügbare Ersatzpropeller

  • mehrere passende Akkus

  • geeignetes Ladegerät

Eine kleine Drohne ist nicht automatisch harmlos. Auch geschützte Propeller können Verletzungen oder Sachschäden verursachen.

5. GPS und Failsafe richtig verstehen

Vor dem ersten Flug muss das Failsafe-Verhalten in Betaflight eingerichtet und getestet werden. Das Failsafe legt fest, was die Drohne macht, wenn die Funkverbindung zur Fernsteuerung abbricht.

Ohne korrekt eingerichtete Rettungsfunktion wird eine FPV-Drohne bei einem dauerhaften Verbindungsabbruch üblicherweise disarmed, sodass die Motoren abgeschaltet werden. Mit einem GPS-Modul kann bei geeigneten Betaflight-Versionen „GPS Rescue“ eingerichtet werden.

GPS Rescue kann versuchen:

  1. eine konfigurierte Mindesthöhe zu erreichen,

  2. in Richtung des gespeicherten Startpunkts zurückzufliegen,

  3. sich dem Startbereich anzunähern.

Es handelt sich jedoch nicht um ein so komfortables und vollständig automatisiertes „Return to Home“, wie man es von vielen DJI-Kameradrohnen kennt. GPS Rescue ist eine Notfallfunktion und keine Garantie dafür, dass die Drohne sicher zurückkehrt oder selbstständig präzise landet.

Die passende Rettungshöhe darf nicht pauschal auf beispielsweise 50 Meter gesetzt werden. Sie muss zur Umgebung, zu möglichen Hindernissen und zu den gesetzlichen Höhenbegrenzungen passen. Außerdem funktioniert GPS Rescue nur zuverlässig, wenn unter anderem:

  • das GPS-Modul korrekt eingerichtet ist,

  • vor dem Start ausreichend Satelliten empfangen werden,

  • ein gültiger Startpunkt gespeichert wurde,

  • Richtung und Flughöhe korrekt erkannt werden,

  • Motorleistung und Fluglage richtig konfiguriert sind,

  • die Funktion vorher kontrolliert getestet wurde.

Der erste Test sollte unter sicheren Bedingungen, mit viel freiem Raum und in einer moderaten Entfernung erfolgen. Die Propeller müssen bei Arbeiten am angeschlossenen Computer grundsätzlich entfernt werden.

Wer nicht selbst löten möchte, kann direkt einen fertigen Copter mit GPS und passendem Empfänger bestellen. Dabei sollte trotzdem geprüft werden, ob GPS Rescue bereits sinnvoll konfiguriert wurde. „GPS eingebaut“ bedeutet nicht automatisch „Rettungsfunktion einsatzbereit“.

6. Rechtliche Grundlagen nicht vergessen

Vor dem ersten Flug müssen auch die in Deutschland geltenden Drohnenregeln berücksichtigt werden. Abhängig von Gewicht, Bauart und Einsatz können unter anderem folgende Punkte relevant sein:

  • Registrierung als UAS-Betreiber

  • Kennzeichnung der Drohne mit der Betreiber-ID

  • vorgeschriebener EU-Kompetenznachweis

  • gesetzlich vorgeschriebene Haftpflichtversicherung

  • Einhaltung der geografischen Fluggebiete

  • Rücksicht auf unbeteiligte Personen

  • Einhaltung der zulässigen Flughöhe

  • Schutz von Privatsphäre und Persönlichkeitsrechten

Beim klassischen FPV-Flug kann der Pilot die Drohne wegen der Brille nicht unmittelbar mit eigenen Augen beobachten. In der offenen Betriebskategorie wird deshalb grundsätzlich eine neben dem Piloten stehende beobachtende Person benötigt, die den Copter direkt im Blick behält und jederzeit mit dem Piloten kommunizieren kann.

Die EASA weist außerdem darauf hin, dass Flüge über unbeteiligten Personen grundsätzlich zu vermeiden sind und die jeweils zulässigen Abstände von der Drohnenklasse und der Betriebskategorie abhängen. Vor jedem Flug sollten deshalb auch die aktuellen geografischen Flugbeschränkungen geprüft werden. Weitere Informationen bietet die EASA-Übersicht zum Fliegen in der Nähe von Menschen.

7. Empfehlenswerte Informationsquellen

FPV-Technik entwickelt sich schnell. Ein Video, das vor einigen Jahren korrekt war, kann heute bereits veraltete Firmware oder nicht mehr aktuelle Einstellungen zeigen.

Für deutschsprachige Videos ist beispielsweise der YouTube-Kanal FreakyDrones interessant. Zusätzlich sollten bei technischen Einstellungen möglichst die aktuellen Dokumentationen von Betaflight, ExpressLRS und dem jeweiligen Hersteller verwendet werden.

Checkliste vor dem Einkauf

Vor der Bestellung sollten diese Fragen beantwortet sein:

  • Möchte ich einen kleinen Whoop, einen Cinewhoop oder einen Racer?

  • Welches Funksystem verwendet die Drohne?

  • Passt der Empfänger zur Fernsteuerung?

  • Welches Videosystem ist eingebaut?

  • Ist die ausgewählte FPV-Brille damit kompatibel?

  • Sind Akkus, Ladegerät und Ersatzpropeller erhältlich?

  • Ist ein GPS-Modul bereits eingebaut?

  • Kann ich den Copter selbst reparieren oder möchte ich möglichst wenig löten?

  • Darf ich das Modell an meinem vorgesehenen Flugort legal betreiben?

Fazit

Der sinnvollste Einstieg ins FPV-Fliegen beginnt mit einem Simulator. Danach folgen eine geeignete Fernsteuerung, ein dazu passender Empfänger und eine FPV-Brille, die mit dem Videosystem der Drohne kompatibel ist. Für die ersten Flugversuche ist ein kleiner, geschützter Bind-and-Fly-Copter häufig eine gute Wahl. GPS und ein korrekt eingerichtetes Failsafe können zusätzliche Sicherheit bieten, ersetzen aber weder Flugübung noch eine sorgfältige Kontrolle vor dem Start.

Wer möglichst unkompliziert einsteigen möchte, kann auch auf fertige DJI-Systeme wie die Avata 2 oder Avata 360 zurückgreifen. Bei diesen Modellen sind Drohne, Steuerung und Videobrille bereits aufeinander abgestimmt. Unterstützte Flugmodi, GPS-Funktionen, digitale Bildübertragung und geschützte Propeller erleichtern den Einstieg auch ohne umfangreiche technische Vorkenntnisse. Die Avata 360 bietet zusätzlich die Möglichkeit, Rundumaufnahmen nachträglich frei auszurichten.

Klassische FPV-Copter bieten dagegen mehr Freiheit bei Auswahl, Abstimmung, Reparatur und Austausch einzelner Komponenten. Welcher Weg besser passt, hängt deshalb davon ab, ob ein möglichst einfacher Einstieg oder die intensive Beschäftigung mit der FPV-Technik im Vordergrund steht.

Wer die Kompatibilität seiner Ausrüstung vor dem Kauf prüft, zunächst im Simulator trainiert und sich schrittweise mit Technik und Vorschriften beschäftigt, ist auf der richtigen Spur.

 

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